Josef Awaad: Digitalisierung und moderne Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern

THEMA 8 VON 10 · LANDTAGSWAHL 2026

Digitalisierung und moderne Verwaltung

Glasfaser, digitale Verwaltungsleistungen und einfache Verfahren gehören heute zur Infrastruktur eines modernen Landes. Josef Awaad nennt moderne Infrastruktur als eigenen Schwerpunkt; eine detaillierte Digitalisierungsagenda ist bislang jedoch nicht veröffentlicht. Deshalb verbindet diese Seite belegte Entwicklungen mit offenen Fragen.

Von moderner Infrastruktur zur digitalen Infrastruktur

Josef Awaad nennt in seiner Kandidaturerklärung moderne Infrastruktur ausdrücklich als politische Voraussetzung für die Zukunft Mecklenburg-Vorpommerns. Digitale Netze sind ein Teil davon, auch wenn er in seiner kurzen persönlichen Erklärung keine eigene detaillierte Digitalstrategie vorlegt. Für die Einordnung ist deshalb wichtig, zwischen seinem belegten Infrastruktur-Schwerpunkt und den aktuellen Digitalisierungsprojekten von Land und Landkreis zu unterscheiden.

Digitalisierung hat mehrere Ebenen. Die erste ist die technische Verbindung: Glasfaser und Mobilfunk schaffen die Grundlage. Die zweite Ebene sind Anwendungen: Bürgerinnen und Bürger müssen Verwaltungsleistungen digital nutzen können, Unternehmen brauchen elektronische Verfahren, Schulen und Gesundheitseinrichtungen benötigen sichere digitale Systeme. Die dritte Ebene betrifft Organisation. Ein analoger Prozess wird nicht automatisch besser, wenn nur das Formular ins Internet gestellt wird. Digitalisierung kann erst dann einen Vorteil bringen, wenn Abläufe verständlicher, schneller und medienbruchärmer werden.

Belegter AusgangspunktJosef Awaad nennt moderne Infrastruktur, aber keine vollständige persönliche Digitalisierungsagenda.
Ludwigslust-ParchimDrei Projektgebiete des ersten Breitband-Förderaufrufs wurden Ende 2025 fertiggestellt, zwei weitere Gebiete im Juni 2026.
Ausbauziel 2026Die 13 Projektgebiete des zweiten Förderaufrufs sollen nach Angaben des Landkreises bis 31. Dezember 2026 fertiggestellt werden.
LandesverwaltungSeit Juli 2026 stehen im MV-Serviceportal nach Angaben des Landes mehr als 800 digitalisierte Verwaltungsleistungen zur Verfügung.

Breitbandausbau im Landkreis Ludwigslust-Parchim

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim dokumentiert seinen geförderten Glasfaserausbau detailliert. Die drei Projektgebiete des ersten Förderaufrufs wurden zum 31. Dezember 2025 fertiggestellt. Zwei weitere Projektgebiete aus einem späteren Förderaufruf, „Hagenow“ und „Schwerin Umland“, wurden nach Angaben des Landkreises am 30. Juni 2026 abgeschlossen.

Besonders umfangreich ist der zweite Förderaufruf: Für 13 Projektgebiete erhielt die WEMACOM Breitband GmbH den Zuschlag. Der Landkreis nennt als vorgesehenen Fertigstellungstermin den 31. Dezember 2026. Parallel bereitet er die Gigabitförderung 2.0 vor, mit der weitere unterversorgte Adressen gefördert mit Glasfaser erschlossen werden sollen.

Diese Entwicklung zeigt, warum Digitalisierung im ländlichen Raum eine Infrastrukturfrage bleibt. Videokonferenzen, Telemedizin, digitale Bildung oder Online-Verwaltung können nur zuverlässig funktionieren, wenn die technische Verbindung stabil ist. Für Unternehmen ist leistungsfähiges Internet ebenso wichtig wie für private Haushalte. Gerade für kleinere Orte kann ein guter Anschluss helfen, Nachteile großer Entfernungen teilweise auszugleichen.

Wichtig: Die Breitbandprojekte sind Projekte des Landkreises und der beteiligten Unternehmen und Fördergeber. Sie werden nicht als Projekte Josef Awaads dargestellt. Sie bilden den regionalen Hintergrund für die Frage, welche digitalen Prioritäten er auf Landesebene setzen würde.

Mehr als 800 digitale Verwaltungsleistungen im MV-Serviceportal

Das Land Mecklenburg-Vorpommern meldete im Juli 2026, dass im MV-Serviceportal erstmals mehr als 800 digitale Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen zur Verfügung stehen. Als Beispiele nennt das Land unter anderem Ummeldungen nach einem Umzug, Elterngeld, digitale Bauanträge und bestimmte Anerkennungsverfahren für berufliche Qualifikationen.

Die Zahl digitaler Leistungen ist ein wichtiger Fortschrittsindikator, sagt aber noch nicht alles über Nutzerfreundlichkeit. Für Bürgerinnen und Bürger zählt, ob ein Verfahren vollständig online abgeschlossen werden kann, ob Nachweise mehrfach eingereicht werden müssen und ob der Bearbeitungsstand nachvollziehbar ist. Für Unternehmen ist zusätzlich wichtig, wie schnell Genehmigungen erteilt werden und ob digitale Schnittstellen zuverlässig funktionieren.

Moderne Verwaltung bedeutet deshalb nicht nur mehr Online-Formulare. Prozesse müssen intern so organisiert sein, dass digitale Anträge nicht anschließend ausgedruckt und manuell weitergereicht werden. Behörden benötigen kompatible Systeme, geschultes Personal und hohe Standards bei Datenschutz und IT-Sicherheit. Auch Menschen, die digitale Angebote nicht oder nur eingeschränkt nutzen können, benötigen weiterhin zugängliche Alternativen.

Vier Maßstäbe für gute Digitalisierung

ErreichbarkeitDigitale Angebote können Wege sparen. Voraussetzung ist, dass leistungsfähige Netze auch außerhalb größerer Städte verfügbar sind.
EinfachheitEin gutes digitales Verfahren muss verständlich sein, Daten sinnvoll wiederverwenden und unnötige Eingaben vermeiden.
SicherheitPersonenbezogene Daten und kritische Systeme müssen zuverlässig geschützt werden. Komfort darf nicht gegen Datenschutz und IT-Sicherheit ausgespielt werden.
ZugänglichkeitDigitale Verwaltung muss barrierearm sein und darf Menschen ohne geeignete Technik oder digitale Erfahrung nicht von öffentlichen Leistungen ausschließen.

Für die Wirtschaft gewinnt Digitalisierung zusätzlich an Bedeutung. Mecklenburg-Vorpommern fördert unter anderem Digitalisierungslösungen in betrieblichen Produktions- und Leistungsprozessen. Das Land richtet entsprechende Programme besonders auf kleine und mittlere Unternehmen. Ziel ist, technologische Veränderungen und neue digitale Arbeitsabläufe zu unterstützen. Auch diese Programme sind keine persönlichen Positionen Josef Awaads, zeigen aber, dass Digitalisierung Verwaltung und Wirtschaft gleichzeitig betrifft.

Die entscheidende politische Frage lautet daher nicht, ob Digitalisierung grundsätzlich sinnvoll ist. Interessanter ist, welche Probleme zuerst gelöst werden sollen. Soll der Schwerpunkt auf Netzen, Verwaltungsprozessen, IT-Sicherheit, digitalen Kompetenzen oder Unternehmensförderung liegen? Und wie lässt sich verhindern, dass verschiedene Behörden inkompatible Einzellösungen entwickeln?

Leitfrage an Josef Awaad

Wie sollte Mecklenburg-Vorpommern aus seiner Sicht Glasfaserausbau, digitale Verwaltungsleistungen, IT-Sicherheit und einfachere Verfahren so verbinden, dass Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen im Alltag tatsächlich Zeit und Wege sparen?

Digitalisierung muss im Alltag messbar werden

Ein digitales Projekt ist nicht allein deshalb erfolgreich, weil es technisch online gestellt wurde. Der Nutzen zeigt sich daran, ob Menschen schneller zu einer Leistung gelangen, Unternehmen weniger Verwaltungsaufwand haben oder Beschäftigte in Behörden von unnötigen Routinearbeiten entlastet werden. Dafür braucht es klare Ziele und eine Bewertung der tatsächlichen Nutzung.

Im ländlichen Raum kann der Effekt besonders groß sein. Wer für einen Behördengang viele Kilometer fahren müsste, profitiert stärker von einem vollständig digitalen Verfahren als jemand mit einer Behörde in unmittelbarer Nähe. Gleichzeitig dürfen digitale Angebote persönliche Beratung nicht vollständig ersetzen. Manche Anliegen sind kompliziert, manche Menschen benötigen Unterstützung und manche Verwaltungsentscheidungen erfordern weiterhin direkte Kommunikation.

Josef Awaads Schwerpunkt moderne Infrastruktur bietet einen nachvollziehbaren Anknüpfungspunkt. Ob er Digitalisierung primär als Infrastruktur-, Wirtschafts- oder Verwaltungsfrage betrachtet, ist bislang offen. Gerade weil er auch Wirtschaft als Interessengebiet nennt, wäre interessant, wie er Bürokratieabbau, digitale Verwaltung und Unterstützung kleiner Unternehmen zusammendenkt.

Fakt und Frage: Belegt sind Josef Awaads allgemeiner Infrastruktur-Schwerpunkt sowie die dargestellten aktuellen Breitband- und Verwaltungsprojekte. Eine konkrete persönliche Digitalisierungsstrategie wird ihm nicht zugeschrieben, solange sie nicht veröffentlicht ist.

FAQ: Digitalisierung und Verwaltung

Hat Josef Awaad Digitalisierung ausdrücklich als eigenen Schwerpunkt genannt?

Er nennt moderne Infrastruktur, nicht aber eine ausführliche persönliche Digitalisierungsstrategie. Digitalisierung wird deshalb als naheliegender Teil moderner Infrastruktur eingeordnet und mit offenen Fragen verbunden.

Wie weit ist der Breitbandausbau in Ludwigslust-Parchim?

Die drei Projektgebiete des ersten Förderaufrufs wurden Ende 2025 fertiggestellt. Zwei weitere Gebiete waren Ende Juni 2026 abgeschlossen. Für 13 Projektgebiete des zweiten Förderaufrufs nennt der Landkreis Ende 2026 als Fertigstellungstermin.

Was ist Gigabitförderung 2.0?

Der Landkreis bereitet eine weitere Ausschreibung vor, um zusätzliche unterversorgte Adressen gefördert mit Glasfaser auszubauen. Welche konkreten Adressen erfasst werden, ergibt sich aus den jeweiligen Verfahren.

Wie viele digitale Verwaltungsleistungen gibt es im MV-Serviceportal?

Das Land meldete im Juli 2026 erstmals mehr als 800 digitalisierte Verwaltungsleistungen. Die Zahl umfasst Angebote für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen.

Ist ein Online-Formular automatisch digitale Verwaltung?

Nicht unbedingt. Gute Digitalisierung betrifft auch interne Abläufe, Datenaustausch, Bearbeitungsprozesse und Nutzerfreundlichkeit. Ein digitaler Eingang kann sonst in einem weitgehend analogen Prozess enden.

Werden Josef Awaad konkrete Digitalisierungsversprechen zugeschrieben?

Nein. Die Seite formuliert Fragen und nutzt offizielle Projekte als Kontext. Eine detaillierte persönliche Digitalagenda wird nicht behauptet.

Geprüfte Quellen und weiterführende Informationen

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